DER  WEITSICHTIGE  HOLLÄNDER

Van Wijk ist Globetrotter, Poet und vertraut auf die Kräfte des Universums



Der gebürtige Niederländer und berufliche Globetrotter Meindert Jan van Wijk mit seiner Ehefrau Dzerzina aus Lettland – deren Vater stammt aus Finnland, die Mutter war Französin
Foto: Heike Bergt

GERMENDORF • "Ein Unfall, es war ein Unfall", antwortet Meindert Jan van Wijk auf die Frage, was ihn nach Germendorf verschlagen hat und muss selbst drüber lachen. Am Flughafen Schönefeld fiel sein Blick auf eine Ausgabe der "Zweiten Hand". Häuser in Germendorf waren darin angeboten und er auf der Suche. In Berlin fand er die Luft zu schmutzig, "hier ist freie Natur und die Küche im Haus ist schön. Das ist wichtig für meine Frau". Am 5. Januar 2005 rollte der Lkw aus Riga an: 20 Meter lang, kaum Möbel, voller Kristall, Porzellan, Skulpturen, Gemälde, Gobelins – ein Lkw voller Erinnerungen an ein ungewöhnliches Leben.

Meindert Jan van Wijk wurde vor 69 Jahren in Brunssum in den Niederlanden geboren. "Neun Lager hab ich überlebt", sagt er und hat Tränen in den Augen, Rache fühle er nicht. Reden über die Zeit der Nazis kann er aber nicht. Damals war er drei. Noch schlimmer hat er die Kinderheime danach in Erinnerung. Mit 17 ging er auf See. Wohl deshalb. Es war eine Flucht vor den Schlägen. Auf einem Tanker fuhr er über die Meere, lag vor Kuba als Castro kam, fand Arbeit in einer Miene in Australien, später bei einer Beton-Firma mit weltweiten Verbindungen. Aufträge führten in rund um den Globus: Er baute in Alaska, Burma, Tibet, Peru, Irland, Kanada, Papua-Neuguinea, Südafrika und Russland ...

1984 wurde er in Holland nach einem Berufsunfall pensioniert. "Ich war auf der Suche nach einem Hobby". Gefunden hat er es erst im Jazz, dann in der Gobelinstickerei, die in den Niederlanden lange Traditionen hat. 125 dieser gestickten Bilder sind entstanden. "398 Stiche pro Zentimeter, zwei Zentimeter in der Stunde, 18 Stunden jeden Tag, sieben Monte lang", erklärt er die Arbeit an einem Bild. Die Liste der Ausstellungsorte ist lang: in St. Petersburg, Istanbul, Amsterdam und Los Angeles haben sie begeistert. Motive sind meist Sterne, Spiralnebel, Raumschiffe und Ster-nenbilder. Der Globetrotter sieht sich als "Stück vom Kosmos". Bei seinen Reisen um die Welt "habe ich die Dorfältesten, die Schamanen gesucht, von ihrem Wissen um die Natur- und Pflanzenkräfte profitiert." Van Wijk kann "kosmische Energie bündeln und damit heilen". Ein Buch ist voll mit den Bildern gesundeter Patienten. Von Nierensteinen hat er befreit, von übergewicht, Tumoren "Frag nicht, wie es möglich ist", wehrt er ab, "Gott hat mir etwas gegeben, womit ich helfen kann." Gedanken der Menschen kann wahrnehmen, Putins Machtantritt habe er lange vorausgesehen. "Nein, bei den Lottozahlen geht das nicht", beugt er einer entsprechenden Frage vor. Die Gottesgabe funktioniere nur, um anderen zu helfen. Im Obergeschoss seines Germendorfer Hauses hat er einen Raum für Patienten eingerichtet.

über die kosmischen Energien hat der Holländer auch seine große Liebe gefunden: bei Dzerzina in Riga. "Sie hat meine Gedichte verstanden. Ihre Augen sagten mir, es ist Liebe". Nach einem Jahr der Korrespondenzen zwischen Amsterdam und Riga gaben sie sich 1999 das Ja-Wort, lebten in Lettland. Geboren in Tschetschenien, hat die russischen Autorin "nach Jahren der Repressalien" Riga im Januar mit ihm verlassen.

Viele Auszeichnungen hat Meindert Jan van Wijk über die Jahre erfahren: vor allem in den USA ist er hoch dekoriert für seine Erfolge in alternativer Medizin, als Poet, seine Gobelinkunst ist von Akademien anerkannt. Woran er jetzt arbeitet? "Am Garten." Gerade habe er eine Voliere für Zebrafinken für seine Frau gebaut. Es erinnere sie an die Großmutter in Tschetschenien. Er will, dass Dzerzina glücklich ist. "Was die Zukunft bringt? Alles ist in Oranienburg möglich. Ich bin voller Energie", sagt er und blitzt mit den Augen.


Heike Bergt   

NEUE ORANIENBURGER ZEITUNG   
Freitag, 22. Juli 2005. – s.15.