NIEDERLÄNDISCHER  EINFLUSS



Meindert Jan van Wijk fühlt sich mit seiner Frau Dzerzina wohl in Germendorf. Der Niederländer ist ein Verfechter der alternativen Medizin und zudem Gobelin-Künstler. Gedichte schreibt er ebenfalls. (Oranienburg)     Foto: Kretschmer

Der Niederländer Meindert Jan van Wijk ist Alternativ-Mediziner, Gobelin-Künstler und Poet


GERMENDORF • Vorsichtig blättert der Germendorfer Meindert Jan van Wijk in dem Buch, das weit aufgeschlagen auf seinem Schoß liegt. Die goldene Schrift auf dem dunklen Buchdeckel ist gerade noch zu lesen: "Die 500 größten Genies des 21. Jahrhunderts".

Seite für Seite arbeitet sich van Wijk voran. Ab und zu ein kurzes Anfeuchten der Fingerspitzen, dann sind die nächsten Seiten an der Reihe. Albert Einstein, Mahadma Ghandi, Martin Luther King, Nelson Mandela, Mutter Theresa. Und plötzlich wandert van Wijks Finger in die Mitte einer Seite. Dort steht Meindert Jan van Wijk. Er lächelt. "Und das ist ein Mann, der sich alles selbst beigebracht hat und nicht einen Tag im Leben in der Schule war", sagt er stolz.

MITMENSCHEN

Das Buch wurde vom "American Biographical Institut" (ABI) herausgegeben, welches einen Recherchedienst beschäftigt und Personen für ihre Leistungen und Verdienste auflistet.

Doch der Reihe nach: Beim übertreten der Türschwelle seines Germendorfer Reihenhauses weiß ich noch nicht recht, was mich erwartet. Allerdings sind gleich alle Un-gewissheiten verflogen, als mich der gebürtige Niederländer mit einem breiten Lächeln an der Eingangstür begrüßt.

Er führt mich sofort in die Küche des Hauses, wo Dzerzina, die Frau des 74-jährigen Niederländers, sitzt und bereits Kaffee und Kuchen auf dem Tisch stehen. Ich muss zugeben, der Kuchen mit viel Zucker und einem knusprigen Teig ist etwas ungewöhnlich, aber doch äußerst lecker. "Das ist ein Rezept meiner Frau", nickt Meindert Jan van Wijk und schiebt mir den Teller mit den Kuchenstücken, mit der stummen Aufforderung davon zu essen, entgegen.

Ein Mediziner, Künstler und Poet

Ich genieße gerade den letzten Schluck meiner Tasse Kaffee, da herrscht plötzlich Bewegung in der Küche. Meindert Jan, wie ich ihn nennen soll, bittet mich in die erste Etage des Hauses. Auf einer Treppe, auf deren Stufen Kerzen stehen, geht es nach oben. Drei Zimmer stehen dort offen - wir betreten das mittlere.

Ich weiß nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. überall an den Wänden hängen Bilder, Stickereien, Gedichte. Ich setze mich auf die flache Couch. Dzerzina reicht mir einen neuen Kaffee. Es scheint so, als bleiben wir in diesem Zimmer etwas länger.

Meindert Jan van Wijk ist Künstler, Schriftsteller und ein erfolgreicher Alternativ-Mediziner. Dabei nimmt die Medizin - Meindert Jan arbeitet nach der Methode der kosmischen Energie des Patienten - den größten Raum in seinem Leben ein. Er erklärt: "Die Kraft von Gott ist wunderbar. Ich behandele zwar die Leute, aber die richtige Kraft kommt von Gott." Durch die Heilungen von verschiedensten Krankheiten hat er sich vor allem in Riga, der Heimatstadt von Dzerzina, einen Namen gemacht. "Ich bekomme von dort immer noch Röntgenaufnahmen zugeschickt, die ich scannen soll", verdeutlicht Meindert Jan die Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wird. Beim "Scannen" legt er die Hand auf ein Foto und versucht, Krankheiten zu lokalisieren.

Dzerzina hat plötzlich einem großen Stapel Ordner unter ihrem Arm. Akribisch hat sie im Laufe der Jahre alle Zeitungsartikel und Berichte über ihren Mann zusammengetragen. Sie blättert schnell in den Ordnern, holt ab und zu etwas heraus und versucht mir auf Russisch alles zu erklären. Dabei kann ich doch überhaupt kein Russisch. Einige Male übersetzt Meindert Jan. Ich sehe viele Zeitungsberichte, die meisten aus Lettland. Auch eine persönliche Einladung zu einem Treffen mit dem niederländischen Kronprinzen Willem Alexander und seiner Frau Maxima ist dabei. Seine Augen leuchten. "Darauf bin ich stolz. Maxima hat zwei Mal etwa 25 Minuten mit uns gesprochen. Ich bin immer noch stumm davon." Das Königspaar sei in Riga gewesen, um sich mit dortigen bekannten Landsleuten zu treffen.

Ich will wissen, was das für Stickereien an den Wänden sind. "Das sind Gobelins", erklärt mir Meindert Jan. Ich werde aufgefordert, mit ins Schlafzimmer zu kommen. Direkt neben der Tür hängt das Familienwappen der van Wijks. Ich mache einen Schritt auf das Wandbild zu. Es beginnt im Spiel der Sonne, die durch das große Fenster ins Schlafzimmer fällt, zu glitzern. Es wirkt wie ein großes silberfarbenes Stück Stoff. Auf meine Nachfrage, was dies für ein Material sei, erwidert Meindert Jan: "Silberdraht. In jedem Zentimeter sind etwa 398 Stiche, und ich schaffe etwa drei Zentimeter in einer Stunde." Neun Monate habe er jeden Tag an dem Familienwappen gearbeitet.

Ich drehe mich im Zimmer und finde überall an den Wänden Gobelins. Mal größere, mal kleinere. Meist sind darauf Motive seiner kosmischen Alternativen Medizin zu erkennen.

Ich frage Meindert Jan, ob er mir die Medizin etwas näher erklären kann. Im gleichen Augenblick greift er meinen Arm und bittet mich aus dem Schlafzimmer in eine weitere Etage des Hauses. Wieder ein dunkler Treppenaufgang, wieder Kerzen auf den Stufen. Meindert Jan öffnet die Tür eines kleinen, sehr hellen Zimmers - wahrscheinlich ist es sogar das kleinste im ganzen Haus. In der Mitte steht eine Liege. "Das ist mein Behandlungszimmer. Hier mache ich die Sitzungen mit meinen Patienten", so Meindert Jan.

Eine alternative Behandlung

Wir halten uns nur einen Augenblick im Behandlungszimmer auf und gehen dann schnellen Schrittes nach unten in den Wintergarten. Meindert Jan voran. Ich soll mich nicht hinsetzen. Meindert Jan mustert mich eine Weile, ohne etwas zu sagen und fragt mich plötzlich, ob ich Probleme mit meiner Schulter hätte. Was soll ich sagen - er hat recht. Er greift meinen Arm und bearbeitet ihn mit gezielten schnellen Kniffen von oben nach unten und wieder von unten nach oben. Plötzlich ein Ruck am Arm, der, das muss ich zugeben, nicht ganz schmerzfrei ist. Aber wenige Sekunden später wechselt das Schmerzgefühl in Wohlbefinden.

Ich habe leider nicht mehr genügend Zeit, um weitere Anwendungen von Meindert Jan zu erfahren, denn ich bin jetzt bereits seit vier Stunden bei den van Wijks. Meindert Jan und Dzerzina bringen mich zur Tür und verabschieden mich genauso herzlich, wie sie mich empfangen haben. Die große Haustür schließt sich hinter mir. Bevor ich mich in mein Auto setze, schaue ich noch einmal auf das Haus und beginne langsam zu verarbeiten, was ich gerade erlebt habe. Schließlich war ich bei einem der größten Genies des 21. Jahrhunderts zuhause -zumindest hat er sich mit seiner Empfehlung an das ABI selbst dazu gemacht.

Meindert Jan van Wijk

Meindert Jan van Wijk wurde 1936 in Brunssum in den Niederlanden geboren. Erarbeitete bei einer Beton-Firma. Schon dort führten ihn seine Aufträge um die ganze Welt. Durch einen Berufsunfall musste er die Arbeit in der Firma niederlegen und wandte sich der Gobelin-Stickerei zu. Bei seinen Weltreisen lernte er bei zahlreichen Schamanen die Kunst der alternativen Medizin. Im Jahr 1997 lernte er seine Frau Dzerzina in Riga kennen. "Es war sofort die große Liebe", sagt Meindert Jan van Wijk. Zwei Jahre später heirateten sie und zogen gemeinsam nach Germendorf.


Von Steffen Kretschmer   

ORANIENBURGER GENERALANZEIGER   
Sonnabend/Sonntag, 7./8. August 2010   




DER  WEITSICHTIGE  HOLLÄNDER


Van Wijk ist Globetrotter, Poet und vertraut auf die Kräfte des Universums



Der gebürtige Niederländer und berufliche Globetrotter Meindert Jan van Wijk mit seiner Ehefrau Dzerzina aus Lettland – deren Vater stammt aus Finnland, die Mutter war Französin
Foto: Heike Bergt

GERMENDORF • „Ein Unfall, es war ein Unfall", antwortet Meindert Jan van Wijk auf die Frage, was ihn nach Germendorf verschlagen hat und muss selbst drüber lachen. Am Flughafen Schönefeld fiel sein Blick auf eine Ausgabe der „Zweiten Hand". Häuser in Germendorf waren darin angeboten und er auf der Suche. In Berlin fand er die Luft zu schmutzig, „hier ist freie Natur und die Küche im Haus ist schön. Das ist wichtig für meine Frau". Am 5. Januar 2005 rollte der Lkw aus Riga an: 20 Meter lang, kaum Möbel, voller Kristall, Porzellan, Skulpturen, Gemälde, Gobelins – ein Lkw voller Erinnerungen an ein ungewöhnliches Leben.

Meindert Jan van Wijk wurde vor 69 Jahren in Brunssum in den Niederlanden geboren. „Neun Lager hab ich überlebt", sagt er und hat Tränen in den Augen, „Rache fühle er nicht. Reden über die Zeit der Nazis kann er aber nicht. Damals war er drei. Noch schlimmer hat er die Kinderheime danach in Erinnerung. Mit 17 ging er auf See. Wohl deshalb. Es war eine Flucht vor den Schlägen. Auf einem Tanker fuhr er über die Meere, lag vor Kuba als Castro kam, fand Arbeit in einer Miene in Australien, später bei einer Beton-Firma mit weltweiten Verbindungen. Aufträge führten in rund um den Globus: Er baute in Alaska, Burma, Tibet, Peru, Irland, Kanada, Papua-Neuguinea, Südafrika und Russland ...

1984 wurde er in Holland nach einem Berufsunfall pensioniert. „Ich war auf der Suche nach einem Hobby". Gefunden hat er es erst im Jazz, dann in der Gobelinstickerei, die in den Niederlanden lange Traditionen hat. 125 dieser gestickten Bilder sind entstanden. „398 Stiche pro Zentimeter, zwei Zentimeter in der Stunde, 18 Stunden jeden Tag, sieben Monte lang", erklärt er die Arbeit an einem Bild. Die Liste der Ausstellungsorte ist lang: in St. Petersburg, Istanbul, Amsterdam und Los Angeles haben sie begeistert. Motive sind meist Sterne, Spiralnebel, Raumschiffe und Ster-nenbilder. Der Globetrotter sieht sich als „Stück vom Kosmos". Bei seinen Reisen um die Welt „habe ich die Dorfältesten, die Schamanen gesucht, von ihrem Wissen um die Natur- und Pflanzenkräfte profitiert." Van Wijk kann „kosmische Energie bündeln und damit heilen". Ein Buch ist voll mit den Bildern gesundeter Patienten. Von Nierensteinen hat er befreit, von Übergewicht, Tumoren „Frag nicht, wie es möglich ist", wehrt er ab, „Gott hat mir etwas gegeben, womit ich helfen kann." Gedanken der Menschen kann wahrnehmen, Putins Machtantritt habe er lange vorausgesehen. „Nein, bei den Lottozahlen geht das nicht", beugt er einer entsprechenden Frage vor. Die Gottesgabe funktioniere nur, um anderen zu helfen. Im Obergeschoss seines Germendorfer Hauses hat er einen Raum für Patienten eingerichtet.

Über die kosmischen Energien hat der Holländer auch seine große Liebe gefunden: bei Dzerzina in Riga. „Sie hat meine Gedichte verstanden. Ihre Augen sagten mir, es ist Liebe". Nach einem Jahr der Korrespondenzen zwischen Amsterdam und Riga gaben sie sich 1999 das Ja-Wort, lebten in Lettland. Geboren in Tschetschenien, hat die russischen Autorin „nach Jahren der Repressalien" Riga im Januar mit ihm verlassen.

Viele Auszeichnungen hat Meindert Jan van Wijk über die Jahre erfahren: vor allem in den USA ist er hoch dekoriert für seine Erfolge in alternativer Medizin, als Poet, seine Gobelinkunst ist von Akademien anerkannt. Woran er jetzt arbeitet? „Am Garten." Gerade habe er eine Voliere für Zebrafinken für seine Frau gebaut. Es erinnere sie an die Großmutter in Tschetschenien. Er will, dass Dzerzina glücklich ist. „Was die Zukunft bringt? Alles ist in Oranienburg möglich. Ich bin voller Energie", sagt er und blitzt mit den Augen.


Heike Bergt

NEUE ORANIENBURGER ZEITUNG
Freitag, 22. Juli 2005. – s.15.